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Menschen.

Chiaki Soma und Kyoko Iwaki vom freien japanischen Kunstkollektiv Arts Commons Tokyo (ACT) werden die Programmdirektorinnen von Theater der Welt 2023.

Arts Commons Tokyo wurde 2014 gegründet und besteht mehrheitlich aus weiblichen, multilingualen Fachleuten, darunter ein/e Kunst- und Theaterproduzent:in, Kurator:in, Dramaturg:in, Forscher:innen, Administrator:innen, Übersetzer:innen und Dolmetscher:innen. Mit nunmehr fünfzehn Mitgliedern haben wir erfolgreich zahlreiche interdisziplinäre Projekte organisiert, die über die Sprache der Kunst den Status quo der Gesellschaft in Tokio, Fukushima und verschiedenen anderen asiatischen und europäischen Städten beleuchten. Chiaki Soma und Kyoko Iwaki werden bei der Zusammenstellung ihres Teams für Theater der Welt 2023 in den Bereichen Produktion, Kommunikation und Stadtprojekte von Arts Commons Tokyo unterstützt werden.

Chiaki Soma and Kyoko Iwaki

Als erstes asiatisch-weibliches Team, das Theater der Welt leitet, werden wir das Prinzip der nicht-westlichen, nicht-binären und sogar nicht-menschlichen Perspektiven zum Anlass nehmen, um unsere Vorstellungen von Theater, Festivals und der Welt neu zu justieren und zu überdenken. Unter dem Gesichtspunkt einer operativen Ethik und unter Berücksichtigung der empirischen Kenntnisse der globalen Pandemie wollen wir ein Festival schaffen, dessen thematischen Schwerpunkt wir »Inkubationismus« nennen wollen: eine kollektive Zeit des Wartens, in der wir auf ein neues Leben hoffen und vielleicht auch Angst vor künftigen Symptomen haben. Wir nehmen diesen dualen und synchronen Zeitrahmen als Grundlage einer neuen Ethik der Pflege und Heilung und einer Hinterfragung dessen, was wir als »Krankheit« denken und wahrnehmen können. Zum ersten Mal in der neueren Geschichte sind Geist und Körper einer großen Anzahl von Menschen erkrankt. Diese Pandemie hat uns gelehrt, mit ihr umzugehen und uns nicht nur um kranke Menschen, sondern auch um kranke Tiere, Pflanzen, unsere Umwelt und die Natur zu kümmern. Politisch und ethisch sollte der Begriff der Fürsorge befreit werden von den Bildern von Frauen, Minderheiten, Migranten und Unterprivilegierten.

Da traumatische Auswirkungen einer Tragödie immer verzögert ankommen, hoffen wir in Frankfurt-Offenbach 2023 gemeinsam mit allen Künstler:innen das Bild einer neuen Welt zu entwerfen, die von der Bemühung geprägt ist, allen Wesen Fürsorge und Heilung zukommen zu lassen.